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Ushahidi – Crowedsourced Crisis Reports

31 Dezember 2009 No Comment

Ohne die zahlreichen privaten, elektronischen Berichte aus dem Iran wären die andauernden Proteste wohl schon wieder von der Bildfläche verschwunden. Zumal das Regime die Berichterstattung extrem erschwert. Über Twitter, Facebook, SMS und zuletzt beschriebene Geldscheine verbreiten Regimegegner ihre Botschaften und Berichte. Es entsteht eine Art von private Gegenöffentlichkeit. Diese ist natürlich nicht gefeit vor Manipulationsversuchen. Auch die reine Menge an Informationen, Bildern, Kommentaren macht den Überblick schwer. Trotzdem sind bürgerbasierte Informationsdienste in Hinsicht auf ihre Aktualität den traditionellen Medien und Kommunikationswegen oft überlegen.

Um dieses Potential bei großen gesellschaftlichen Ereignissen wie Wahlen oder in Krisen wie beispielsweise Erdbeben oder Überschwemmungen nutzen zu können wurde Ushahidi (gesprochen U-scha-hidi) entwickelt. Die größtenteils afrikanischen EntwicklerInnen haben basierend auf den Erfahrungen während der Unruhen in Kenya eine Plattform entwickelt in welcher Ushahidis (übersetzt: Testimonies – also Zeugenaussagen) mit Ort und Zeitinformationen veröffentlicht werden können. Diese sind dann auf einer Karte einseh- und abrufbar. Die Technik dahin ist Open Source, sie kann also von jeder Bürgerorganisation oder NGO genutzt werden. Ein aktuelles Beispiel dafür ist http://aliveinafghanistan.org/. Im folgenden Video wird das System noch mal ganz anschaulich erklärt:

What is Ushahidi? from Ushahidi on Vimeo.

Da Informationen inbesondere auch über Mobilfunktelefone eingetragen werden können bietet die Plattform in meinen Augen sehr viel Potential. Klar, sie wird sich wie jedes andere Medium auch nicht allen Manipulationsversuchen entziehen können, aber allein durch die mögliche Menge der Beiträge von BürgerInnen lassen sich Ereignisse nicht mehr komplett totschweigen. Sasha Lobo hat Recht mit der Behauptung die Masse stellt hier die Qualität dar. Natürlich nur sofern Ushahidi genutzt wird. Von den IranerInnen wird die Plattform im Moment noch kaum benutzt. Bei den G8 Protesten in Heiligendamm hätte es aber in meinen Augen ein wirklich mächtiges (Hilfs-)Instrument sein können. Mit mehr Medienpräsenz abseits der klassischen Medien, hätte die allgemeine Wahrnehmung vielleicht anders ausgesehen. Auch in den kommenden Bildungsstreiks könnte Ushahidi eine Rolle spielen. Schließlich ist die Technik dahinter vollkommen offen und lässt sich so an die verschiedenen Bedürfnisse anpassen. Sie bietet noch mehr Beitragspotential für alle Studierende als die schon jetzt starke Medienplattform des Bildungsstreiks und vor allem von Unibrennt aus Österreich. Außerdem eröffnet sie einen weiteren Feedbackkanal und regt zur Teilnahme oder zumindest der Beschäftigung mit dem Thema an.

Alles im allem bin ich mir sicher das die Nachrichtenlandschaft, aber auch die (Verabreichungs-) Form von Information im folgenden Jahrzehnt komplett umgekrempelt werden wird. Die einzelnen Informationsschnipsel werden von immer mehr Menschen kommen, die Aufbereitung und Verbreitung wird sich immer weniger (politisch) lenken lassen und die Anforderung an unsere Medienkompetenz (CRE Medienkompetenz + Feedback) wird enorm wachsen.

Frank

P.S.: Hier noch ein Interview zu Ushahidi und ein Video von dem theoretischen Hintergrund der Idee:

An Introduction to the Swift River initiative from Ushahidi on Vimeo.

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