Facebook: Ist die Zeit gekommen?
Und aus der Reihe “Unseren samstäglichen Facebook-Beitrag gib uns heut’…”. Erstveröffentlicht auf Amys Welt.
Facebook kommt nicht aus den Schlagzeilen: Wie das Wall Street Journal diese Woche berichtete, wurden personalisierte Nutzerdaten u.a. von Facebook und MySpace an Werbepartner der jeweiligen Plattformen weitergeleitet: Golem – Facebook, Myspace und Co. – Nutzernamen wurden an Werbekunden übertragen
Bei Facebook soll das Problem weitreichender gewesen sein, da hier nicht nur übertragen wurde, auf wessen Profil Werbung angeklickt wurde, sondern auch, wer klickte. Facebook bestätigte die Datenweitergabe gegenüber dem WSJ.
Die üblichen Verdächtigen berichteten & Netzwertig hat einen Beitrag zur Popularität des Artikels. Ich denke, der ganze Facebook-Hype ist zwar nicht unberechtigt, in seinem jetzigen Ausmaß jedoch ein Frühzeichen des Sommerlochs sowie der anhaltenden Kritik an einen ehemals ‘freundlichen’ Tool, das – so wie es momentan häufig porträtiert wird – “über Nacht” zum Großmonopolisten mutiert ist und nun mit Allmachtsphantasien nach der Weltherrschaft strebt. Fehleinschätzungen inbegriffen. Soweit ich mich erinnere, wurde Facebook als Unternehmen gegründet, nicht als gemeinnützige Stiftung.
Das “böse Erwachen” einiger Nutzer sozialer Netzwerke kann ich nicht so ganz nachvollziehen: Nennt mich realistisch – wenn ein Unternehmen wie Facebook auf Millionen, teils hoch-personalisierten Datensätzen sitzt, ohne aus den roten Zahlen zu kommen – da glauben die Nutzer doch nicht wirklich, dass die Daten nicht weitergenutzt oder im Sinne der “Geschäftsphilosophie” verbreitet werden?!
xkcd: Infrastructures
Die Lobhudelei für das mit höchster Spannung erwartete & geförderte diaspora*–Projekt in den letzten Wochen beiseite: Glauben wir tatsächlich, dass regionale Monopolisten sich nach dem Google-Motto “Don’t be evil” verhalten – wenn der Braten doch schon im Ofen ist?
Gleichzeitig scheinen sich Blogbetreiber doch ein Gewissen zu fassen: Die Ambivalenz des Like-Button wird diskutiert – und der geschätzten Leserschaft nahe gebracht: Literatur-Café – Totalüberwachung: Welche Gefahren der »Gefällt mir«-Button von Facebook birgt
Um Facebook kommt man fast nicht mehr herum. Kritiker sehen durch das soziale Netzwerk bereits ein »Netz im Netz« entstehen. Der »Gefällt mir«-Button ist eine Methode, weitere Nutzer ins geschlossene Facebook-Netz zu ziehen.
Über andere Sicherheitsprobleme bei Facebook hatte in dieser Woche auch das ARD Magazin Monitor aufgeklärt: Im Visier von Facebook: Das Ende der Privatheit
[via: Netzpolitik]
Golem – Facebook: Freunde finden mit ungeschützten Passwörtern
In den Facebook-Datenschutzrichtlinien heißt es laut Monitor eigentlich: “Wenn Du vertrauliche Daten, wie zum Beispiel Kreditkartennummern und Passwörter, eingibst, werden diese Informationen mithilfe der SSL-Technologie (Secure Socket Layer) von uns verschlüsselt.”
Informatiker vom Institut für Internet-Sicherheit der Fachhochschule Gelsenkirchen haben aber festgestellt, dass Facebook diese Zugangsdaten zu Skype, Instant-Messenger- oder E-Mail-Diensten unverschlüsselt überträgt.
Das auch positiv berichtet werden kann, zeigt bspw. der Golem-Bericht über Reclaimprivacy.org: Facebook Privacy Scanner sorgt für mehr Privatsphäre. Wenn man schon über die Defizite des Marktführers berichtet ohne ihm eine Alternative gegenüber zu stellen, die es ja (noch) nicht gibt, kann man die NutzerInnen auch über entsprechende Möglichkeiten zur Problem”umgehung” aufklären: Reclaimprivacy.org
This website provides an independent and open tool for scanning your Facebook privacy settings. The source code and its development will always remain open and transparent.
Denn eines scheint sicher: Facebook gewinnt an Momentum und an Popularität – insbesondere aus der NutzerInnengruppe, für die vermutlich Alternativlösungen am wenigsten in Frage kommen und denen sicherheitsrelevante Informationen nicht mit dem morgentlichen Blick in den Feedreader zugehen: Spiegel online: StudiVZ – Das Provinz-Netz
Die Zahl der Anhänger stagniert fast, insgesamt haben die VZs in Deutschland nach eigenen Zahlen 16,6 Millionen registrierte Mitglieder. Doch der US-Rivale Facebook wächst und wächst. Mehr als 400 Millionen Mitglieder hat er inzwischen, in Deutschland sind es zwar erst geschätzte 9 Millionen, aber auch hier zeigt die Kurve steil nach oben.
Und die Facebook-Kunden tummeln sich viel länger und intensiver in ihrem Netzwerk.
Facebook wird es der Nutzerschaft nicht einfacher machen, die Datenschutzeinstellungen im Griff zu behalten. Der Blick auf die Quantität der gebotenen Informationen macht klar, wie viele / wenige Nutzer sich wirklich mit den Privacy Policies von Facebook & Co. so detailliert auseinandersetzen, dass sie genau wissen, was zu tun ist: Lowering the Bar – Assorted Stupidity
According to a recent New York Times article, the current iteration of Facebook’s privacy policy is longer than the U.S. Constitution. The founding document of our nation is 4,543 words, not including the Bill of Rights. Facebook’s policy now has 5,830 words. It also doesn’t include rights.
Der Bericht von Spiegel online zeigt deutlich, worin die Problematik der geschlossenen Netze im Netz auch für die jeweiligen Unternehmen / Projekte besteht: Wer die universelle, dauerhafte und vor allem erreichbare online Adresse für Millionen von mobilen, kosmopolitischen jungen Menschen in den ersten Lebensorientierungsphasen (Ausbildung und Einstieg ins Berufsleben) aber auch darüber hinaus sein möchte, muss langfristig mehr bieten als eine Profilseite mit KlickiBunti. Während Facebook einfach sehr komplex und für den Neueinsteiger zu überfrachtet ist, um intuitiv zu sein, ist das StudiVZ für mich persönlich seit mind. 2 Jahren zur unbenutzbaren Werbetafel geworden.
Fazit:
Was macht die Gesamtsituation aus Facebook? Villain of the month. Sommerbeschäftigung & Motivation für die Jungs vom Diaspora-Team. Alternative für jene, die mehr wollen als StudiVZ, Orkut & Co., aber keine unabhängige Homepage wollen und die Nutzungsbedingungen der “sozialen Dienste” wegklicken, sobald der akzeptiert-Button geladen ist.
Und im Herbst, wenn sie zu Tausenden in die Unis strömen, aus den Sommerferien in die Schulklassen zurückkehren und wieder an der Almer mater ankommen, nach dem Praktikum in Timbuktu, da gewinnt Facebook wieder an Attraktivität. Nachdem die Feuer in der Nischencommunity aus Nerds & Geeks gelöscht sind.
Nachtrag: Soeben den phantastischen Beitrag von Martin Oetting bei Carta gelesen – der darf nicht unerwähnt bleiben: “Die Macht darf nicht mit Facebook sein.” – Ein persönlicher, romantischer Essay.








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